Wer heute auf der Wiener Südost-Tangente fährt, ist immer im Bild nicht nur für die Beamten in der Verkehrsleitzentrale, sondern auch für andere. Für Fernsehzuschauer, Internet-Surfer und UMTS-Handy-Benutzer. Mit 15 Kameras der Polizei, fünf von A1, zwei des Straßen-Betreibers, zwei eines Autohauses, zwei einer Baufirma und einer eines Foto-Konzerns ist die A23 die erste Straße Österreichs, die lückenlos Video-überwacht wird.
Jeder wird fotografiert. Nur ein paar hundert Meter
entfernt, bei der Einfahrt in den Kaisermühlen-Tunnel
der Donauufer-Autobahn geht man noch einen Schritt weiter:
Auf den Bildern, die die Tangenten-Kameras liefern, sind
beim besten Willen keine Nummerntafeln abzulesen. Auf der
A22 hingegen wird vorerst zur Probe jeder,
der in den Tunnel hineinfährt, nicht nur vermessen,
sondern auch gleich mit seinem Kennzeichen registriert.
Prophylaktisch, wie man versichert man könnte
ja das Tempolimit in der Röhre (80 km/h für Pkw,
60 für Lkw) überschreiten. Was spätestens
dann ans Licht kommt, wenn man den Tunnel wieder verlässt.
Denn dann wird man erneut digital fotografiert, das Kennzeichen
wird noch einmal gescannt, und der Einfahrts- wird mit dem
Ausfahrts-Zeitpunkt verglichen. Liegt man unter einer bestimmten
Zeit, bleibt das Kennzeichen zwecks automatisierter Strafverfolgung
gespeichert, liegt man vorschriftsmäßig darüber,
so versichert Harald Dirnbacher, Sprecher der Asfinag, des
Errichters der 1 Mio. Euro teuren Anlage, werden die Daten
sofort vernichtet: Nicht nur aus Kapazitäts-Gründen,
sondern vor allem wegen des Datenschutzes.
Dass der auch immer gegeben ist, ist für die Konsumentenschutz-Juristen
des ÖAMTC unabdingbar.
Am 1. Juli soll es nach vier Wochen Probebetrieb endgültig
Ernst werden, nicht nur auf der A22, sondern mit
einer mobilen Anlage auch auf der A2 im Baustellen-Bereich
bei Guntramsdorf. Im Innenministerium verweist man auf die
guten Erfahrungen, die man in den Niederlanden gemacht hat
dort sanken die Unfallzahlen auf solcherart überwachten
Strecken um 20 Prozent.
Durch die mit der Einfahrts-Erfassung einher gehende Vermessung
kann das Lkw-Fahrverbot auf dem linken Fahrstreifen des
Kaisermühlen- Tunnels bald erstmals überwacht
werden.
Kameras seit 41 Jahren. Man schrieb 1962, als an
der Kreuzung Ring/Schottengasse in Wien Österreichs
erste Verkehrskamera der Wiener Polizei in Betrieb ging.
Josef Holaubek, der damalige Polizeipräsident, ist
längst Legende, doch der Raum, in den das unscharfe
Schwarz-Weiß-Bild übertragen wurde, dient heute
noch als Verkehrsleitzentrale. Nur: Aus einer Kamera sind
mittlerweile 59 in ganz Wien geworden, die sich per Fernsteuerung
um 360 Grad schwenken lassen. Die totale Überwachung?
Die Kameras helfen uns, entstehende Staus früher
zu erkennen und mit veränderten Ampelschaltungen sofort
zu reagieren, erklärt Sepp Binder, Stv. Kommandant
der Verkehrsabteilung. Darüber hinaus könne man
durch die Überwachung erkennen, ob irgendwo Ladegut
verloren wurde, wo jemand mit einem Defekt am Auto eine
Fahrspur blockiert oder nach einem Unfall mit schwerem Berge-Gerät
ausgerückt werden muss. Video-Aufzeichnungen
gibt es aber keine, erklärt Binder, nur
wenn wir sehen, dass jemand auffällig fährt oder
grobe Verkehrssünden begeht, schicken wir ein Einsatzfahrzeug.
Im gesamten Bundesgebiet ist die Video-Überwachung
des hochrangigen Straßennetzes, wenn auch nicht so
dicht wie in der Hauptstadt, Selbstverständlichkeit.
Etwa in Tunnels. Da werden die Bilder von der zuständigen
Straßenmeisterei rund um die Uhr nicht nur überwacht,
um bei einem Unfall sofort Maßnahmen setzen zu können:
Sequenzen mit auffällig gewordenen Fahrzeugen werden
sogar einige Zeit lang gespeichert.
Primär dem Wetter widmen werden sich neue Autobahn-Kameras
auf der A1 in Oberösterreich: Ab September sollen sie,
gekoppelt mit Sichtweiten-Sensoren, in den Nebel-Zonen des
Seengebietes dafür sorgen, dass unverzüglich mit
Überkopf-Warnungen auf die Sichtbehinderung aufmerksam
gemacht wird. Zudem weiß die Einsatzzentrale durch
die Kamera-Bilder raschest möglich Bescheid, wenn ein
Unfall passiert.
Neu: Stau-Schau im Internet. Immer mehr Menschen
machen sich, bevor sie ins Auto steigen, noch schnell ein
Bild von der aktuellen Verkehrslage via Internet.
Nicht nur von der A23. Von dort liefern die Kameras am Dach
des Porr-Hochhauses den Wiener Telekabel-Kunden (im Info-Kanal)
bewegte Bilder zum Frühstück, die ganztägig
auch in eine eigene Tangenten-Homepage www.a23.at eingespeist
werden.
Die Homepage des Autobahn-Errichters und Betreibers Asfinag
www.asfinag.at bietet aktuelle Standbilder von den neuralgischen
Punkten und Gegenverkehrsbereichen im gesamten Netz, darüber
hinaus stellen auch einige Private einfache Webcams mit
Blick aus dem Wohnzimmerfenster online.
Der neueste Trend: Handy-Netzbetreiber rüsten ihre
Sendemasten an wichtigen Verkehrsverbindungen mit Stau-Cams
aus, die via UMTS-Handy und Web-Portal verfolgt werden können
gegen Gebühr. Der Stau vernichtet somit nicht
nur Volksvermögen, er kurbelt auch erstmals das Geschäft
in einem kleinen Teilbereich an.
Auf Verfolgungsjagd mit der Videokamera gehen überall in Österreich zivile Fahrzeuge der Exekutive. Die Beamten zeichnen Tempo-Delikte mit der eingeblendeten Geschwindigkeit auf, dann führen sie sie den angehaltenen Missetätern sofort vor. Die Einsicht der Autofahrer ist enorm, weiß Robert Blacky Schwarz, in Wien für sechs Kamera-Autos und ein -Motorrad verantwortlich. Zur Straf-Bemessung werden in der Bundeshauptstadt übrigens unter 100 km/h generell 10 km/h abgezogen, nachdem vorher 3% Messtoleranz abgerechnet wurden.
Bald Realität: Digital-Radarfalle. Kaum zuvor erregte ein Bericht in diesem Magazin soviel Aufsehen wie der über den Prototyp einer High-Tech-Radarsäule Blitz & Donner, Heft 4/2001, die ihre digitalen Fotos sofort auswertet und automatisiert via Datenleitung in die Zentrale schickt. Wo der Erlagschein oder die Anzeige bereits Minuten später ausgedruckt und in ein Kuvert gesteckt wird. Noch heuer sollen die ersten aufgebaut werden, so der jüngste Stand. Dann gibt es noch ein paar Kameras mehr, die uns beim Fahren beobachten.
Kurt Zeillinger